GESELLSCHAFT 
DER MUSIKFREUNDE
MÜNSINGEN E.V.



Konzerte 2000

Vokalquartett



Andrea Boesen
- Sopran -

Adelheid Krohn-Grimberghe
- Alt -

Hans Joachim Weber
- Tenor -

Bernhard Hartmann
- Bass -

Am Flügel: Shoko Hayashizaki

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Zum Programm schreibt Hans Joachim Weber:

Die Werke unseres heutigen Programms sind im Konzertsaal selten zu hören Dies hat nichts, wie wir hoffentlich zeigen können,  mit ihrer musikalischen Qualität zu tun. Vielmehr liegt es an der Gattung mehrstimmiger Sologesänge, die sich, anders als der solistische Liederabend, im heutigen Konzertleben (noch) nicht etablieren konnte. 

Ähnlich wie das Sololied waren diese Gesänge ursprünglich nicht für den öffentlichen Vortrag bestimmt, sondern in der Hausmusikkultur und dem bürgerlichen Salon des 19. Jahrhunderts verankert. Als erster hat vermutlich Franz Schubert für die musikalischen Versammlungen seines Freundeskreises, "Schubertiaden" genannt, solche, meist an bestimmte Anlässe geknüpfte, Kompositionen verfasst. Sie dürfen als direkte Vorläufer der im heutigen Programm vertretenen Werke Schumanns und Brahms' gelten. 

Trotz ihrer weit auseinanderliegenden Opuszahlen sind die beiden Zyklen "Spanisches Liederspiel" und "Spanische Liebeslieder" Robert Schumanns im selben Jahr, 1850, entstanden. Zyklen sind sie nicht im Sinne einer durchgehenden Handlung, sondem nur durch den ähnlichen Themenkreis der Gedichte, weshalb wir uns erlaubt haben, Stücke auszuwählen und diese in eine neue Reihenfolge zu bringen. 

Schumann nimmt die spanische Herkunft der Nachdichtungen Emanuel Geibels nicht zum Anlass, koloristische Genrestücke zu komponieren, sondem reichert seine eigene Tonsprache lediglich um einige folkloristische Elemente an: Gitarrenimitation in der Klavierbegleitung der Romanze op. 138, 5 oder der Bolero-Rhythmus des Quartetts op.74, 9. Erstaunlicherweise schlägt sich in der kontrapunktischen Durcharbeitung einiger Sätze sowie der Anlage der Klavierstimme des Duetts op.74, 4 Schumanns intensive Auseinandersetzung mit dem Werk J. S. Bachs zu dieser Zeit nieder. 

Obwohl die klavierbegleiteten Soloquartette im Schaffen von Johannes Brahms keine zentrale Stellung einnehmen, hat ihn diese Gattung doch sein ganzes schöpferisches Leben hindurch immer wieder beschäftigt. Die frühesten Kompositionen unseres Programms, die Quartette op. 31 sind Kompositionen des Einunddreißigjährigen, während op. 112 sechs Jahre vor dem Tod des Komponisten im Umfeld der späten Klavierstücke entstanden ist.

Sein ungewöhnlicher literarischer Geschmack wurde Brahms bereits zu Lebzeiten vorgeworfen und so sind auch bei den Vorlagen zu den Quartettkompositionen neben Texten von Goethe und Schiller wieder Gedichte von eher zweifelhaften Autoren wie Georg Friedrich Daumer und Herrmann Allmers vertreten, was jedoch die musikalische Inspiration in keinem Fall beeinträchtigt zu haben scheint. 

Eine zyklische Aufführung dieser Quartette kann zudem die verschiedenen Aspekte von Brahms' musikalischer Seelenlandschaft zeigen, die zwischen der Parlandoleichtigkeit von op. 31, 2 und dem vergrübelten 5/4-Takt des op. 112, 2 liegen. 


Adelheid Krohn-Grimberghe

erhielt ihre Gesangsausbildung bei Frau Professor Herrad Wehrung und bei Frau Emmy Lisken.
Studienbegleitend nahm sie an zahlreichen Kursen teil, unter anderem an Meisterkursen bei Ingeborg Danz (Internationale Bach-Akademie Stuttgart), Jessica Cash (Internationale Tage Alter Musik, Innsbruck), Gerd Türk (Barockgesang) sowie an Kursen in Funktionalem Stimmtraining (Cornelius Reid).
Sie ist als Gesangslehrerin und als Konzertsängerin tätig. Die Schwerpunkte ihrer sängerischen Arbeit liegen in den Bereichen Oratorium und Lied. Ihr Repertoire umfasst ein weites Feld von Werken Alter Musik über klassisch-romantisches Repertoire bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen.
Ihre Konzerttätigkeit führte sie auch nach Frankreich, Österreich und Italien.

Hans Joachim Weber

wurde 1968 in Plochingen geboren und erhielt seine Gesangsausbildung bei der Sopranistin Ursula Lopatka-Weber. Ab 1989 studierte er Musikwissenschaft in Tübingen und nahm an Gesangskursen u. a. bei Jessica Cash (London) und Karlheinz Jarius (Frankfurt) teil. Neben seiner Tätigkeit als Konzertsänger im Oratorien- und Liedbereich wirkt er auch in verschiedenen professionellen Ensembles mit, wie z. B. dem Kammerchor Stuttgart (Dirigent: Frieder Bernius) und der Rheinischen Kantorei (Dirigent: Herrmann Max).
Als Solist war er u. a. bei den Festwochen Europäische Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd, den Sebastian-Sailer-Tagen im Kloster Obermarchtal oder den Welt-AIDS-Musiktagen in Stuttgart u. a. in J. Haydns Schöpfung und J. S. Bachs Weihnachtsoratorium zu hören. Darüberhinaus nimmt er seit 1993 regelmäßig an den Produktionen der Tübinger Kammeroper, sowie diversen freien Opernprojekten teil.

Bernhard Hartmann

studierte zunächst privat bei Cornelia Karle-Schweizer, später bei Prof. Vogel (Detmold) und Prof. Bruce Abel (Stuttgart). Seit 1998 studiert er an der Opernschule Stuttgart unter der Betreuung von Frau Prof. Julia Hamari.
Die solistischen Auftritte umfassen u. a. das Brahms- und das Fauré-Requiem, Händel-Oratorien, Bachs Weihnachtsoratorium, die Passionen und verschiedene Kantaten. Seine sängerische Arbeit wird erweitert durch Mitwirkung bei verschiedenen Produktionen im Vocalensemble des SWR und im Opernchor des Stuttgarter Staatstheaters. Die japanische Pianistin 

Shoko Hayashizaki 

studierte Klavier u.a. an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg im Breisgau bei Prof. Alexander Bohnke.
In Münsingen war sie als Solistin und als Partnerin von Michael Hagemann zu hören, mit dem sie seit über 16 Jahren ein erfolgreiches Klavierduo bildet. Sie ist Mitglied der GEDOK Reutlingen und der International Piano Duo Association.

Karten gibt es an der Konzertkasse, die 1/2 Stunde vor Konzertbeginn öffnet. Mitglieder erhalten die übliche Ermäßigung.
Hermann Bohn
Letzte Änderung: 26.04..2000