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Moonlight Swing Orchestra

 

vom 20. Januar 2003


KONZERT / Moonlight Swing Orchestra in der Zehntscheuer 

Zuhörer auf die Tanzfläche holen 

Die 30er und 40er Jahre war die große Zeit des Swings, rund um den Globus sorgten Swing Orchester für gefüllte Ballsäle. Viele Jahrzehnte danach ist diese Musikrichtung längst nicht "von gestern" und erfreut  nach wie vor eine große Schar Swing-Liebhaber. 

MARIA BLOCHING 

MÜNSINGEN. Das "Moonlight Swing Orchestra" erweckte am Samstagabend in der Münsinger Zehntscheuer die Swing-Ära zu neuem Leben und begeisterte an die 100 Zuschauer mit einem beeindruckenden Repertoire. 

In den 30er Jahren war der Jazz ein wichtiger Bestandteil im Leben des Mittelstands-Amerikaners. Die Menschen wollten sich amüsieren und begeisterten sich an der kurzweiligen, heiteren und anregenden Musik, die man als "Swing" bezeichnete. Die Swing-Musik war Unterhaltungsmusik, ein weit verbreitetes Konsumprodukt, perfekt zugeschnitten und funktionell. Der Swing bestach durch eine emotionale Tiefe, durch Lebensfreude und Unbeschwertheit. Die 30er und 40er Jahre war die Zeit von Duke Ellington, Fletcher Henderson, Count Basie und Louis Armstrong, die mit ihren Orchestern dafür sorgten, dass der Swing unaufhaltsam seine Bahnen zog. 


Foto: MARIA BLOCHING (Alb-Bote)

In den vergangenen Jahren hat diese Musikrichtung wieder mehr an Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt dank der zahlreichen Orchester, die sich dem Swing verschrieben haben. So auch das "Moonlight Swing Orchestra", das aus dem Wunsch entstanden war, von dem meist passiven Erleben der Big-Band-Musik wegzugehen und endlich wieder die Zuhörer von den Stühlen auf die Tanzfläche zu holen. Das "Moonlight Swing Orchestra" besteht aus hervorragenden Musikern, die eins gemeinsam haben: Jeder hat für sich eine sehenswerte musikalische Ausbildung und teilt mit den anderen die Liebe zum Swing. Bandleader Gerhard Füger, der sich seit über 20 Jahren in den verschiedensten Ensembles dem Swing verschrieben hat, erfüllte sich mit der Gründung dieses Orchesters im Jahr 1999 einen lang ersehnten Wunsch. Ein Nachlass aus über 4000 Originalarrangements legte damals den Grundstein für den Zusammenschluss dieser Musiker. Sie alle hatten das gemeinsame Ziel, das etwas herunter gekommene Niveau des Swing wieder salonfähig zu machen. Zweifelsohne ist ihnen dies auch gelungen. Mit Charme, Witz, musikalischem Können und jeder Menge Gefühl schaffte es das "Moonlight Swing Orchestra", auch diejenigen mitzureißen, die mit dem Swing nicht so vertraut waren. 

Kompositionen von Glenn Miller, Duke Ellington, Benny Goodman, Artie Shaw, Tommy Dorsey, Stan Kenton, Ray Anthony, Lionel Hampton, Count Basie und vielen mehr gaben einen beeindruckten Einblick in das weitreichende Repertoire der Band, der auch der Münsinger Musiklehrer und Posaunist Rudi Braun angehört. Die zahlreichen Solovorträge überzeugten das Publikum von der Klasse eines jeden einzelnen Musikers. Dabei zeichnete sich das Orchester durch seine Bereitschaft aus, sich der Musik unterzuordnen und sie mit Gefühl weiterzugeben. 

"Nur wer Swing mit dem Kopf analysiert und aus dem Bauch heraus spielt,  versteht diese Musik und kann sie auch gut spielen", zeigte sich Bandleader Gerhard Füger überzeugt. Für das Publikum war es ein außergewöhnlicher Abend mit abwechslungsreicher und hervorragend gespielter Live-Swingmusik. Die Gesellschaft der Musikfreunde rückt als Veranstalter ihrem Ziel, der Anschaffung eines Flügels für die Zehntscheuer, ein gutes Stück näher. 


vom 22. Januar 2003
 

Swing wie in alten Zeiten 

Präsentiert in Münsingen

Genau wie in den dreißiger und vierziger Jahren die Ankündigung einer guten Big Band die Ballsäle, füllte die Aussicht, mit dem "Moonlight Swing Orchestra" ein Jazzkonzert von besonderem Niveau zu erleben die Münsinger Zehntscheuer. Am liebsten hätten die Musiker ihr Publikum von den Stühlen auf die Tanzfläche geholt, so erklärte der Klarinettist und Saxophonist Hartmut Röller in seiner launigen Conference - und so geschah es dann auch, dass kaum einer der über hundert Konzertgäste ruhig sitzen bleiben konnte.

"Wir spielen Ihnen eine Menge alter Schinken." Mit diesen Worten avisierte er den ersten Teil der "geschichtlichen Dokumentation des Swing mit musikalischer Untermalung". Kaum war diese betont ernsthaft-schalkhafte Ansage verklungen, füllte der große typische Sound des Swing schlagartig den Saal. 

Reminiszensen an Duke Ellington, Benny Goodman, Count Basie wurden wach, nicht nur durch deren allseits bekannte Stücke, sondern vor allem durch die meisterhaft flexibel-lockere Korrespondenz zwischen Soloeinlagen und Big Band Sound.

Ein ganzer Programmblock war Glenn Miller gewidmet. Mit dem Trumpet Blues, Filmmusik zu "Badende Venus" löste der Trompetensolist wahre Begeisterungsstürme aus und mit der Moonlight Serenade war nicht nur die Band eine swingende, das gesamte Publikum kam ins träumerische Schwelgen. Beim Ragtime erwies sich der Jazzpianist Alexander Praun als versiert virtuoser Fingerakrobat.

Bandleader Gerhard Füger hatte von seinem Platz aus am Tenorsaxophon des Orchesters jedes Stück voll im Griff, forderte die Solisten und baute den Dialog mit der Band auf. Dabei war wohl spürbar, welch sensibler Kenner der Swingära einerseits und welch kreativer Musiker andererseits dieser Vollblutjazzer ist.

Er ist, was das Arrangement anlangt,  auf absolute Originaltreue bedacht und kann dabei  auf eines der größten privaten Musikarchive zurückgreifen, bei dessen Fundus von mehr als 4000 Titeln er aus dem Vollen schöpft. Aus dem "Vollen" kann er auch vor allem bei seinen Ansprüchen an die einzelnen Bandmitglieder schöpfen. Jedes für sich ist ein Jazzer aus Fleisch und Blut, virtuos auf dem Instrument, flexibel in der Gestaltung des Sounds und anpassungsfähig in der Korrespondenz mit den anderen Ensemblemusikern.

Ein großer, für die Gesellschaft der Musikfreunde außergewöhnlich bewegter Abend der Live-Swing-Musik!

 elk
© Hermann Bohn
Letzte Änderung: 22.01.2003