GESELLSCHAFT
DER MUSIKFREUNDE
MÜNSINGEN E.V.
|
vom
9. April 2003
KONZERT / Klavierduo Stenzl weiht den neuen Flügel
in der Zehntscheuer ein.
Feuertaufe für einmaliges Instrument geglückt
Gerade mal zweieinhalb Jahre dauerte die Spendenaktion der Gesellschaft
der Musikfreunde Münsingen zur Anschaffung eines Konzertflügels
für die Zehntscheuer, am Montagabend war es dann so weit: Mit einem
fulminanten und außergewöhnlichen Konzert fand die Einweihung
des neuen Steinway & Sons-Flügel durch das Klavierduo Stenzl in
gebührendem Rahmen statt.
MARIA BLOCHING
MÜNSINGEN - Der Rahmen für die Einweihung
des neuen Konzertflügels hätte nicht perfekter sein können.
Denn wer hätte sich wohl besser für diesen außergewöhnlichen
Anlass geeignet, als das mittlerweile zu den führenden deutschen Klavierduos
zählende Geschwisterpaar Hans-Peter und Volker Stenzl. Vom ersten
bis zum letzten Ton lag die Harmonie der beiden Brüder über allem,
ihr bedachtes und einfühlsames Spiel nahm dem Publikum vom Anfang
bis zum Schluss den Atem.
Mit Werken von Johannes Brahms, Hugo Wolf, Franz Schubert und Maurice
Ravel beeindruckte das Klavierduo durch qualitative Kontinuität und
fulminante Technik, gleichzeitig faszinierte es aber auch durch gleichatmiges
Spiel und enormes Stilgefühl. Bereits ein gutes Vierteljahrhundeit
musizieren die Brüder schon zusammen, wobei der Einstieg in die klassische
Musik den gebürtigen Schwäbisch-Gmündern relativ spät
gelang. Mit zwölf Jahren begann Hans-Peter Stenzl mit dem Klavier
spielen und zog seinen vier Jahre jüngeren Bruder Volker schließlich
mit. Von Anfang an herrschte zwischen den beiden blindes Verständnis
und eine gemeinsame Begeisterung für die Musik, die sich im Klavierspiel
niederschlägt. Nicht umsonst wird ihnen ein Auftreten mit außergewöhnlichem
gemeinsamem Atem, Akkuratesse, minutiös aufeinander abgestimmter Phrasierung
und Artikulation sowie dem Sinn für Transparenz und klare Strukturen
nachgesagt.
Die Brüder füllen nationale und internationale Konzertsäle
und sind dabei stets darauf bedacht, ihre Programme auswendig zu interpretieren.
Dies setzt für jeden von ihnen viel Arbeit voraus, schließlich
muss jeder Part genau so ausgearbeitet werden wie ein Solostück und
letztendlich aufeinander abgestimmt werden. Doch, so ist das Duo überzeugt,
nur wer auswendig spielt, kann die Musik auch richtig verstehen und sie
verständlich machen. Das Münsinger Publikum kam dadurch in den
Genuss, einen ganz besonderen Abend zu erleben. Die Brüder Stenzl
wählten mit Johannes Brahms Choralvorspiel op. 122, Nr. 11 "O Welt
ich muss dich lassen" und Nr. 4 "Herzlich thut mich erfreuen" eine
gelungene Einführung zu der sinfonischen Dichtung "Penthesilea"
von Hugo Wolf nach dem gleichnamigen Trauerspiel von Heinrich von Kleist,
von Max Reger für Klavier zu vier Händen gesetzt. Nachdem das
Duo einen kurzen Abriss der Handlung gab, setzte es die Dichtung musikalisch
um. Intim und feiner ging es mit Franz Schuberts "Drei Polonaisen aus D
824" weiter, bevor ein Ausflug in die Welt der Märchen unternommen
wurde. Maurice Ravel hatte sich in die Welt der Kinder versetzt und
fünf bekannte Märchenerzählungen musikalisch illustriert.
"Unser neuer Konzertflügel hat seine Feuertaufe bestanden", freute
sich Hermann Bohn, Vorsitzender der Gesellschaft der Musikfreunde. Er sprach
seinen Dank an alle aus, die mit ihren Spenden zu dieser Anschaffung beigetragen
haben. Niemand hätte im Herbst 2000 geahnt, dass gerade mal zweieinhalb
Jahre danach ein Einweihungskonzert stattfinden könnte, so Bohn.
Münsinger Bürger haben für der Flügel gespeist,
haben gespendet, Benefizkonzerte fanden statt und schließlich kam
mit der Gutbrod-Ausstellung der große Durchbruch. Insgesamt kamen
55 645 Euro an Spenden zusammen, allein aus der Gutbrod-Ausstellung
34 500 Euro. Mit Unterstützung von Volker Stenzl machte sich die Flügelkommission
auf den Weg und hielt nach einem Instrument Ausschau. Am 5. März stimmte
der Ausschuss der Musikfreunde dem Kauf des Konzertflügels Steinway
& Sons B-211 zum Preis von 55 640 Euro zu. Stolz überreichte Hermann
Bohn den Flügel an die Stadt Münsingen in Form eines Schlüssels
und eines Miniatur-Flügels. "Ein Märchen wird wahr", freute
sich Bürgermeister Mike Münzing. Er versprach, der Verantwortung
gerecht zu werden, die dieses einmalige Musikinstrument auferlege und bat
gleichzeitig das Publikum um zahlreichen Besuch der kommenden Konzerte.
Eigentlich ist die Spendenaktion der Gesellschaft der Musikfreunde damit
abgeschlossen, doch Hermann Bohn kündigte an, nun weiter für
einen kleineren Flügel für das Zehntscheuer-Theater zu sammeln.
Der neue Konzertflügel hat sich mit diesem Abend bestens eingeführt.
Bleibt zu hoffen, dass noch viele solcher einmaligen Konzerte folgen.
Gelungene Premiere am Steinway: Das Klavierduo Hans-Peter und Volker
Stenzl gab das erste Konzert am neuen Flügel in der Zehntscheuer
Münsingen. FOTO: MARIA BLOCHING
|
vom
9. April 2003
Nr. 559 758 klingt super
Klavierduo Stenzl weihte den neuen Flügel in Münsingen
ein.
Ein Freudentag für Münsingen und die dortige Gesellschaft
der Musikfreunde: Der neue Flügel ist da und steht jetzt in der Zehntscheuer.
Ein prächtiges Instrument, Marke Steinway & Sons, Typ B-211,
Nr. 559 758. Das erste Konzert auf diesem Flügel wird man so schnell
nicht vergessen, denn vor diesem Meisterwerk der 150 Jahre alten Firma
Steinway nahm ein meisterliches Klavierduo Platz - die Brüder Hans-Peter
und Volker Stenzl.
Die Stenzls haben mit einem faszinierenden Programm, das bei jedem Festival
Furore gemacht hätte, die enormen Klangmöglichkeiten des neuen
Instruments sozusagen in allen Richtungen ausgeschöpft. Seine Kraft
und Prägnanz von den markanten und nicht zu dicken Bässen bis
zum Diskant, der nie schrill wird. Seine orchestrale Breite im forte, seine
Schönheit in der »mezza voce« und seine Kantabilität
im piano. Die hohe Anschlagskunst des Stenzl-Duos konnte sich auf diesem
Instrument in aller Deutlichkeit und Feinheit verwirklichen.
Penthesilea gegen Achill
Die beiden Brahms-Choräle erstanden in klarer Fülle. Ihnen
ließen die Stenzls ein großmächtiges Werk folgen, das
wohl niemand im Saal bis dahin gekannt hat, auch der Autor dieser Zeilen
nicht: Hugo Wolfs sinfonische Dichtung »Penthesilea« in der
vierhändigen Bearbeitung von Max Reger. Ein ungemein klangvolles,
furioses, von heftigster Dramatik erfülltes Stück, das den Kampf
der Amazonenkönigin mit dem griechischen Helden Achill bis zur Raserei
und zur blutigen Neige schildert. Ein wahnwitzig schwer zu spielendes Werk,
das Volker und Hans-Peter Stenzl grandios auf die Tasten gebracht haben.
Mit einer radikalen Virtuosität. Entfesselten Oktavgängen. Mit
der Klanggewalt eines Orchesters und dabei konsequent formbewusst und mit
großer innerer Spannung. Leitmotivische Verbindungen kamen zu ihrem
Recht. Und auch die Liebesbande zwischen den Streitenden durften in milden,
schwebenden Klängen aufblühen. Eine fantastische pianistische
Leistung und eine Tortur für den Flügel - doch der hat diesen
Härtetest glanzvoll bestanden.
Poetische Töne
Mit einigen Polonaisen von Schubert und den fünf Kinderszenen der
»Mutter Gans« von Ravel schlugen die Brüder Stenzl dann
andere Töne an. Poetische, leicht dahin gleitende voller Anmut und
sanftem Schwung, die der intimen Farbigkeit des Münsinger Flügels
Rechnung trugen.
Hermann Bohn, der erste Vorsitzende der Münsinger Musikfreunde,
schilderte in seinem Schluss- und Dankeswort nochmals die Stationen der
Spendenaktion für den neuen Flügel, die in unerwartet kurzer
Zeit zum Ziel geführt hat. Danach überreichte er Bürgermeister
Mike Münzing den Schlüssel zum neuen Instrument und symbolisch
für dieses einen Miniflügel, handtellergroß. Fertig war
die Übergabe an die Stadt. Der Schultes versprach, den neuen Flügel
in eine pflegliche Obhut zu nehmen. Noch ein Slavischer Tanz von
Dvorák, den die Brüder Stenzl mit Elan und Brillanz zugaben,
dann war das Münsinger Freuden-Flügel-Fest zu Ende.
Bleibt zu wünschen, dass immer solch berufene und hochkarätige
Musiker wie an diesem Abend das neue Instrument erstrahlen lassen.
hdw
|
vom
9. April 2003
Vier Hände, 94 Tasten und viel Applaus
Klavierduo Volker und Hans-Peter Stenzl interpretierten Maurice
Ravels Märchenzyklus für Münsinger Schüler
Von Ulrike Oelkuch
M ü n s i n g e n. (GEA) Ein stimmungsvolles Bild malen und
ein spannendes Märchen erzählen, dies kann man nicht nur mit
Farben und Worten, sondern auch mit Musik. Diese Erfahrung durften gestern
im großen Saal der Zehntscheuer mehr als 250 Mädchen und Jungen
aus den Klassen fünf sämtlicher Münsinger Schulen machen.
Eigens für sie interpretierte das Klavierduo Stenzl aus Schwäbisch
Gmünd einen Märchenzyklus von Maurice Ravel.
Konzerte für Kinder und Jugendliche gehören bei der Gesellschaft
der Musikfreunde Münsingen, die auch die gestrige Schüler-Matinee
organisiert hat, zum festen Bestandteil ihres Jahresprogramms: Junge Menschen
sollen ein Gespür und Gehör für die faszinierende Welt der
Musik entwickeln, sollen dadurch vielleicht sogar selbst zum Musizieren
angeregt werden und mögliche Hemmschwellen vor dem Besuch eines Konzertsaal
erst gar nicht aufkommen lassen.
Weil die Stadt Münsingen jetzt dank der Spendenaktion der Gesellschaft
der Musikfreunde endlich einen eigenen Konzertflügel für die
Zehntscheuer besitzt, genauer: einen B-211-Flügel aus dem Hause Steinway
& Sons, den die Stenzl-Brüder Volker und Hans-Peter am Montag
eingeweiht haben, spielte das Klavier-Duo anderntags noch einmal extra
für Kinder.
Und trotz anfänglicher Unruhe im Saal: Die Mädchen und Jungen
erwiesen sich als kompetente Zuhörer, zollten den Profi-Musikern und
ihrem vierhändigen Spiel auf dem »großen Bruder«
des Klaviers Aufmerksamkeit und hielten am Schluss weder zurück mit
ihren vielen Fragen noch mit dem verdienten Applaus.
Offiziell wurde Münsingens neuer Konzertflügel in der Zehntscheuer
bereits am Montag vom Klavierduo Volker und Hans-Peter Stenzl eingeweiht.
Doch gestern folgte mit einem Konzert speziell für Münsinger
Schüler Teil zwei des festlichen Akts. GEA-Foto: oel
|
|