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Pressestimmen
Ungarische Kammerphilharmonie


 vom 8. Januar 2010



Zum siebten Mal auf der Alb beim Neujahrskonzert: die Ungarische Kammerphilharmonie.
Und wie immer rissen die Musiker das Publikum mit - natürlich auch mit Strauß und Brahms. Foto: Sabine Graser-Kühnle  

Klatschen zum Radetzkymarsch

Ungarische Kammerphilharmonie spielt - Abschluss des Auinger Neujahrskonzerts wie in Wien

Einen duftigen Melodienstrauß beliebter Werke des Walzerkönigs Johann Strauß Sohn kredenzte die Ungarische Kammerphilharmonie beim Neujahrskonzert: ein Jahresauftakt mit musikalischer Leichtigkeit.

SABINE GRASER-KÜHNLE
AUINGEN. Dass Dirigent Antal Barnas der Ungarischen Kammerphilharmonie sein siebtes Neujahrskonzert in Auingen hauptsächlich mit Werken von Johann Strauß Sohn bestückte, mag vielleicht auch an dem "Freiheitslieber-Walzer" liegen, den Strauß für die Revolutionäre, darunter auch ungarische, der Märzrevolution 1848 gegen das Kaisertums Österreich komponiert hat.

Doch eröffnet hat die Philharmonie ihr Neujahrskonzert mit Carl Michael Ziehrers Ouvertüre "Fesche Geister", die mit ihrem Rhythmik- und Tempiwechsel schon einen Vorgeschmack auf die abwechslungsreichen Darbietungen dieses Neujahrskonzert gab. Ebenso demonstrierte Dirigent Barnas bereits mit dem Eröffnungsstück, dass er die Kunst beherrschte, den Zuhörern selbst in kleinen Sälen, wie in der Auinger Festhalle, einen harmonischen Klangkörper zu präsentieren. Blechbläser und Schlagzeug hielt er stets in fein nuancierter Abstimmung zum Orchester, das durchweg mit eleganter, beflügelter Leichtigkeit zu überzeugen wusste.

Das feurige ungarische Temperament der Brahmschen "Ungarischen Tänze", das der Komponist so ausdrucksstark intoniert hat, gedieh unter der sicheren Führung von Barnas dagegen zum Spiel mit der Ungeduld. Tanz Nummer eins in g-Moll interpretierte die Philharmonie vorwärtsdrängend, mit gezügelter Ungeduld im triolenreichen Spiel der Holzbläser, als dürfe man nur kosten, in Tanz Nummer fünf g-Moll, dem wohl bekanntesten der Sammlung von insgesamt 21 Tänzen, durften die Musiker das Temperament in flotten Tonläufen und Punktierungen ausleben. Auf diesen rasanten Ritt über die ungarische Puszta folgten im sechsten Tanz in D-Dur atemraubende Passagen im Wechsel mit bedächtigen Takten - quirlig, lebendig, fantastisch.
Dirigent Antal Barnas versteht es, seine Musiker an den dem Publikum bestens bekannten, brisanten Passagen auszubremsen, der Zuhörer lechzt nach der Fortführung der beliebten Melodien.

Gibt Barnas Dirigentenstab schließlich den Einsatz, schweben die herbeigesehnten Klänge in sanften Bögen wie transparente Chiffontücher über die Köpfe der Gäste und belohnen deren Geduld mit musikalischem Balsam.

So auch in Johann Strauß' "Wiener Blut": Vor Herzblut triefend formten die Musiker den Auftakt in aufreizend bitterer Süße, bevor sich die Melodie im sanft wiegenden, unnachahmlichen "Wiener Blut"-Thema entlud - begleitet von einem unbeabsichtigt knallenden Sektkorken im Saal, der diesem süßen Moment den Effekt stahl. Doch die Passage wiederholt sich mehrfach im Walzer, so dass die Gäste diesen in ganzen Zügen genießen konnten.

Dass Strauß Sohn nicht nur Walzer komponieren konnte, sondern auch mit schnellen Polkas und Märschen Furore machte, bewiesen die Philharmoniker mit der Czardas-ähnlichen Polka "Unter Donner und Blitz" sowie einem schwungvoll marschierenden Einzugsmarsch des "Zigeunerbarons". Ein echtes Zuckerstückchen war Strauß "Perpetuum mobile". Dem unaufhörlichen An- und Abschwellen des fidelen und ausgelassenen Themas, versetzt mit neckischen Bläsereinlagen und Streicherpizzicato, konnte nur der Dirigent mit den Worten "und so weiter, und so weiter", ein Ende bereiten.

Wie immer - und darauf freuten sich die Zuhörer schon seit dem Walzer "An der schönen blauen Donau" - beendete der "Radetzkymarsch" von Strauß Vater das Programm.

Denn dort, so Bürgermeister Mike Münzing in seiner kurzen Ansprache, dirigierte Antal Barnas nicht nur seine Musiker, sondern auch das Publikum, wenn es mitklatschen durfte. Dass der beliebte Marsch nur scheinbar den Abschluss des Neujahrskonzerts bildete, war vorauszusehen. Erst nach drei Zugaben durften die Philharmoniker von der Bühne gehen.
http://www.gdm-muensingen.de/konzerte2008/100106_presse.htm
© Hermann Bohn
Letzte Änderung: 10.01.2010