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Pressestimmen
Liederabend Marcus Ullmann


 vom 9. Februar 2010
KULTUR IN DER REGION

Wehmutsgefühle in der Mondnacht
Tenor Marcus Ullmann zu Gast auf der Alb


Tenor Marcus Ullmann. Foto: Foto: Wagner

Ein Schumann-Liederabend? Da mag mancher ein Klassentreffen des Bildungsbürgertums erwarten. Doch von Routine war bei Marcus Ullmann keine Spur. 

SIMON WAGNER

MÜNSINGEN. Denn was am Sonntag unter dem schlichten Titel „489. Konzert“ firmierte, stellte sich als ein bemerkenswertes Ereignis in einer Veranstaltungsreihe heraus, für die die Münsinger Gesellschaft der Musikfreunde den renommierten lyrischen Tenor Marcus Ullmann gewinnen konnte.

Zu Gast in nationalen und internationalen Musikhäusern sowie als Solist unter Helmuth Rilling und Frieder Bernius, gelang es dem gebürtigen Dresdner, Schumanns Vertonungen von Heine und Eichendorff-Gedichten aus der Routine verstaubter Posen zu entreißen und ihnen jene Authentizität zu verleihen, deren Fehlen so oft zu beklagen ist. Vor rund 70 Zuhörern beherrschte Ullmann mit seiner versierten Stimme den Saal der Münsinger Zehntscheuer auf Anhieb und sorgte von Beginn an für eine ergreifende Atmosphäre. Unterstützt von Klaus Melbers sensiblem Spiel am Klavier, nahm sich der Tenor zu nächst den "Fünf Liedern" Schumanns an, für die Gedichte von Heinrich Heine als Vorlage dienten.

Ob sinnierend und getragen ("Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht") oder aufbrausend und kraftvoll ("Lehn’ deine Wang’“) - stets skizzierte Ullmann die jeweiligen Stimmungslagen ausdrucksstark und fein artikuliert. Er ließ auch in den leisen Passagen nicht von seinem druckvollen und doch empfindsamen Vortrag ab: Ullmann verwandelte den Lieder in einen Erzählabend voller Poesie, erzählte vom "Waldesgespräch", von der "Mondnacht" oder von der "Wehmut".
Die Stücke aus dem Liederkreis, in dem Schumann Gedichte des Freiherrn Joseph von Eichendorff vertont hat, waren geprägt von inniger Intensität, Ullmann verlieh den Liedern Präsenz und schillernde Kraft. So entstand eine Zauber-Atmosphäre, und die Zuhörer lauschten den zwölf Stücken gebannt und weltvergessen. Dabei ließen sie sich auch durch Ullmanns dezente, aber ausdrucksstarke Mimik in ferne, ent1egene Regionen des menschlichen Daseins und Empfindens führen.

Auch in den nachfolgenden Liedern, die Schumann unter dem Titel "Dichterliebe" zusammengefasst hat (und die wiederum auf Gedichte von Heinrich Heine zurück gehen), konnte Ullmann seine stimmliche Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Mal besang er markig und dunkel den Rhein, mal durchzog seine Gesangslinien eine mitleiderregende Sehnsucht.

Ein Kaleidoskop menschlicher Gefühle tat sich auf, denen Ullmann in einer makellosen und dramatischen Art und Weise Stimme und Gestalt verlieh: Die Zuhörer wurden am Ende des Konzerts jäh aus der lyrischen Welt Schumanns gerissen, und so brandete erst zögerlich, dann immer intensiver werden der Beifall auf. Sogar einzelne "Bravo"-Rufe mischten sich in den nunmehr nicht enden wollenden Applaus. Ein mitreißendes, eindrucksvolles Konzert, das den Schumann-Liedern eine fast greifbare Dimension verlieh - fernab verstaubter Routine: Lieder als Ausdruck großer und doch inniger Gefühle.



 vom 9. Februar 2010
KULTUR

LIEDERABEND - Marcus Ullmann in der Zehntscheuer

Verneigung vor Schumann

MÜNSINGEN. Der Tenorsänger Marcus Ullmann war gemeinsam mit seinem Klavierbegleiter Klaus Melber der Einladung der Gesellschaft der Musikfreunde Münsingen gefolgt. Die beiden Musiker gestalteten in der Zehntscheuer einen Liederabend mit Kompositionen Robert Schumanns zu dessen 200. Geburtstag.

Feinsinnig hatten sie ihr Programm in drei Blöcke aufgeteilt: Der erste brachte fünf Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine, der zweite den Liederkreis Opus 39 nach Eichendorff, der dritte schließlich, glanzvoller Höhepunkt, den Zyklus »Dichterliebe« Opus 48 nach Gedichten von Heinrich Heine. Die Künstler gestalteten einen großartigen Liederabend für das zahlreiche, auch von weither gekommene Publikum. Bereits im ersten Programmblock bestach das Duo mit dramatischer Gestaltung, mit intensiv ausgelebten Kontrasten und expressiver dramaturgischer Interpretation.

Viel Einfühlungsvermögen

Marcus Ullmanns Gesang fesselt nicht allein durch die Schönheit seiner schlanken, sicher geführten Stimme, sondern mehr noch durch sein Einfühlungsvermögen, das die Stimmung eines jeden Liedes sicher erfasst und ihr überzeugend Ausdruck verleiht.
Ullmann, ein genialer Liedgestalter, und Klaus Melber, ein tiefgründiger Expressionist am Flügel, haben gemeinsam eine Deutung der Dichterliebe geboten, die den riesigen seelischen Ambitus dieses Zyklus demonstriert. Was bei ihnen aus dem gespenstisch herben Lied »Ich hab' die Nacht geweinet« wird oder aus dem eine bessere Welt ersehnenden »Aus alten Märchen winkt es«, gerät zur Beschwörung größter und abgründigster romantischer Kunst.

Hochintelligent, schlank und subtil erinnert Marcus Ullmann - von Klaus Melber kompetent begleitet - daran, dass der helle Glanz einer Tenorstimme sich mindestens ebenso gut für die Wiedergabe von Liederzyklen eignen kann wie die dunkle Fülle der Baritonlage. Das Münsinger Publikum war begeistert und erklatschte zwei Zugaben im passenden Stil, Kostbarkeiten für Liebhaber! (elk)
http://www.gdm-muensingen.de/konzerte2010/100207_presse.htm
© Hermann Bohn,
Letzte Änderung: 09.ß2.2010