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Pressestimmen
Barocke Triosonaten


 vom 23. März 2010
KULTUR IN DER REGION

Tiefste Gedanken, gewaltige Empfindungen
Konzert der Musikfreunde Münsingen in der Zehntscheuer mit Triosonaten aus der Barockzeit

Ganz im Zeichen barocker Kammermusik stand das 491. Konzert der Musikfreunde Münsingen in der Zehntscheuer. Auch die Chaconne kam zu Gehör. 

MANFRED FRISCHKNECHT 
MÜNSINGEN. Verbindet man im übrigen Kunstbetrieb Barockes mit Überladenem, Prunk- und Prachtvollem, ging es bei diesem gut besuchten Konzert um Einfacheres, um Intimes.

Zu Beginn des überaus abwechslungsreichen Programms erklang die Sonate Nr. 2 in d-Moll von Georg Friedrich Händel für Violine, Oboe und basso continuo. Bereits im ersten Satz "Allegro" zeigte sich, wie gut die Ausführenden aufeinander eingestellt waren und harmonierten. Das erste Thema entwickelte  sich im Zwiegespräch der Oboe (Dennis Jäckel) und Violine (Fahian Wettstein), und ohne aufdringlich zu wirken, begleitete Evelyn Laib auf dem Cembalo.

Im folgenden "Allegro" wurde herzhaft und freudig musiziert, während der "Affetuoso" überschriebene dritte Satz jenes besondere Merkmal der Barockmusik aufzeigte, das dieser von Vernunft. bestimmten Musik eigentlich abgeht, nämlich das Gefühl.

Und wenn es Händel gelungen ist, mit seiner Komposition menschliche Gemütszustände aufzuzeigen, so verstanden es die drei Musiker meisterhaft, diese Gegensätze aufklingen zu lassen und den Zuhörern herüberzubringen.

Ein schönes Unterfangen, die vielseitigen Möglichkeiten des heutzutage nicht sehr häufig gehörten Cembalos zu präsentieren, gelang  Evelyn Laib mit Ouvertüre, Allemande und Courante aus der Partita D-Dur von Johann Sebastian Bach.

Punktierte Rhythmen, Arpeggis, hingeworfene Akkorde, fugenähnliche Themen und dann auch manchmal ein vom Zufriedensein mit dem eigenen Musizieren zeugendes Lächeln auf den Gesichtszügen der Spielerin: All dieses trug mit dazu bei, beim Publikum innere Zustimmung mit dem Vorgetragenen zu erzeugen.

Den Höhepunkt des Konzerts bildete aber die Wiedergabe des musikalisch wohl bedeutendsten Werkes von Johann Sebastian Bach, nämlich der berühmten Chaconne für Solovioline. Thema dieses Werkes ist die absteigende Figur einiger weniger Töne. Hierauf baut Bach, der übrigens an diesem vergangenen Sonntag 325 Jahre alt geworden wäre, eine gewaltige Architektur  auf, die geradezu sinfonisches Ausmaß annimmt und eine ganze "Welt von tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen" (Johannes Brahms) in sich vereint.

Und da steht Fabian Wettstein, Konzertmeister der Württembergischen Philharmonie, vor seinem Publikum und spielt, spielt und spielt. Manchmal vermeinte man, ein großes Orchester zu hören, dann wieder die Verzierungen, dann die Doppelgriffe, die Akkorde, die virtuosen Teile, das piano und das vor Kraft strotzende Geigenspiel- wen wundert es, dass ihn einer seiner Musikerkollegen aus Reutlingen einen "Teufelsgeiger" genannt hat.

Und wer den letzten Ton in "seiner" Chaconne in sich aufgenommen hat, der spürte Leben, ein Beben im Inneren - ganz ohne Vibrato. Für alle Musikliebhaber ein herrliches Konzert.



 vom 24. März 2010
KULTUR

KONZERT -
Barocke Triosonaten in der Zehntscheuer

Liebe zur alten Musik

MÜNSINGEN. »Barocke Triosonaten« versprach das Programm der jungen Musiker Dennis Jäckel, Oboe, Fabian Wettstein, Violine, von der Württembergischen Philharmonie in Reutlingen und Evelyn Laib, Cembalo. Die reizvoll abwechslungsreiche Programmgestaltung allerdings bot viel mehr. Triosonaten von Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann erklangen temperamentvoll frisch und faszinierend stilsicher, genau so gültig interpretiert wie solistische Darbietungen der einzelnen Musiker.

Die Cembalistin Evelyn Laib brillierte bei der Gestaltung von »Ouverture - Allemande - Courante« aus der Partita D-Dur BWV 828 von Johann Sebastian Bach mit Prägnanz und Stilempfindsamkeit. Der Oboist Dennis Jäckel imponierte bei seiner Darstellung der Sonate g-Moll für Oboe und Basso continuo gemeinsam mit der Cembalistin mit kongenialer Musizierfreudigkeit, jede einzelne Phrase transparent durchatmet und auf den Dialog mit dem Begleitinstrument abgestimmt.

Amati-Geige von 1583

Unbestritten bildete die Gestaltung der berühmten Chaconne aus der Partita d-Moll BWV 1004 von Johann Sebastian Bach durch Fabian Wettstein den Höhepunkt des Konzertes. Der wunderbare Klang seiner Amati-Geige aus dem Jahre 1583 wurde befördert durch die Leichtigkeit des Interpreten und seine Virtuosität ohne sichtbare Anstrengung.
Perfekt auch die Doppelgriffe, nahe am Griffbrett gestrichen, in makelloser Intonation, wobei der Solist die Gestaltung des genialen polyfonen Konstrukts nie aus dem Auge verlor.

Wie finden sich derart individuell virtuos begabte Musiker zum Ensemble zusammen? Das kann wohl nur mit der gemeinsamen Liebe zur alten Musik beantwortet werden. Die Erfassung der interpretatorischen Idee imponierte zumindest genau so wie das hohe Niveau an technischem Können und musikalischer Sensibilität des Einzelnen.

Feinsinniger Dialog

In den Triosonaten (Georg Friedrich Händel: Sonate Nr. 2 d-Moll und Sonate Nr. 6 D-Dur, Georg Philipp Telemann: Triosonate Nr. 60 g-Moll) war ein feinsinniger Dialog zwischen Streicher- und Bläserklang, ein sicheres Fundament des Basso continuo und über all dem eine ursprüngliche Musizierfreude zu erleben.

Das zahlreich erschienene Publikum würdi
gte die besondere Leistung mit frenetischem Beifall. (elk)
http://www.gdm-muensingen.de/konzerte2010/100321_presse.htm
© Hermann Bohn,
Letzte Änderung: 24.03.2010