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Ganz im Zeichen barocker Kammermusik stand das
491. Konzert der Musikfreunde Münsingen in der Zehntscheuer. Auch
die Chaconne kam zu Gehör.
MANFRED FRISCHKNECHT
MÜNSINGEN.
Verbindet man im übrigen Kunstbetrieb
Barockes mit Überladenem, Prunk- und Prachtvollem, ging es bei
diesem gut besuchten Konzert um Einfacheres, um Intimes.
Zu Beginn des überaus abwechslungsreichen Programms erklang die
Sonate Nr. 2 in d-Moll von Georg Friedrich Händel für
Violine, Oboe und basso continuo. Bereits im ersten Satz "Allegro"
zeigte sich, wie gut die Ausführenden aufeinander eingestellt
waren und harmonierten. Das erste Thema entwickelte sich im
Zwiegespräch der Oboe (Dennis Jäckel) und Violine (Fahian
Wettstein), und ohne aufdringlich zu wirken, begleitete Evelyn Laib auf
dem Cembalo.
Im folgenden "Allegro" wurde herzhaft und freudig musiziert,
während der "Affetuoso" überschriebene dritte Satz jenes
besondere Merkmal der Barockmusik aufzeigte, das dieser von Vernunft.
bestimmten Musik eigentlich abgeht, nämlich das Gefühl.
Und wenn es Händel gelungen ist, mit seiner Komposition
menschliche Gemütszustände aufzuzeigen, so verstanden es die
drei Musiker meisterhaft, diese Gegensätze aufklingen zu lassen
und den Zuhörern herüberzubringen.
Ein schönes Unterfangen, die vielseitigen Möglichkeiten des
heutzutage nicht sehr häufig gehörten Cembalos zu
präsentieren, gelang Evelyn Laib mit Ouvertüre,
Allemande und Courante aus der Partita D-Dur von Johann Sebastian
Bach.
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Punktierte Rhythmen, Arpeggis,
hingeworfene Akkorde,
fugenähnliche Themen und dann auch manchmal ein vom Zufriedensein
mit dem eigenen Musizieren zeugendes Lächeln auf den
Gesichtszügen der Spielerin: All dieses trug mit dazu bei, beim
Publikum innere Zustimmung mit dem Vorgetragenen zu erzeugen.
Den Höhepunkt des Konzerts bildete aber die Wiedergabe des
musikalisch wohl bedeutendsten Werkes von Johann Sebastian Bach,
nämlich der berühmten Chaconne für Solovioline. Thema
dieses Werkes ist die absteigende Figur einiger weniger Töne.
Hierauf baut Bach, der übrigens an diesem vergangenen Sonntag 325
Jahre alt geworden wäre, eine gewaltige Architektur auf, die
geradezu sinfonisches Ausmaß annimmt und eine ganze "Welt von
tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen" (Johannes Brahms) in
sich vereint.
Und da steht Fabian Wettstein, Konzertmeister der
Württembergischen Philharmonie, vor seinem Publikum und spielt,
spielt und spielt. Manchmal vermeinte man, ein großes Orchester
zu hören, dann wieder die Verzierungen, dann die Doppelgriffe, die
Akkorde, die virtuosen Teile, das piano und das vor Kraft strotzende
Geigenspiel- wen wundert es, dass ihn einer seiner Musikerkollegen aus
Reutlingen einen "Teufelsgeiger" genannt hat.
Und wer den letzten Ton in "seiner" Chaconne in sich aufgenommen hat,
der spürte Leben, ein Beben im Inneren - ganz ohne Vibrato.
Für alle Musikliebhaber ein herrliches Konzert.
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