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Pressestimmen
Daniel Eppinger Trio


 vom 20. April 2010
KULTUR IN DER REGION


Zu Gast auf der Alb - das Daniel Eppinger Trio in der Zehntscheuer Münsingen - Foto: Bohn

Und federleicht swingen die Balladen
Heimspiel: Daniel Eppinger Trio in Münsingen

Einen Abend für Jazz-Romantiker präsentierten die Musikfreunde in der gut besuchten Zehntscheuer. Das Daniel Eppinger Trio - mit Münsinger Wurzeln - spielte in zwei Sets engagiert und entspannt auf.

JÜRGEN SPIESS
MÜNSINGEN. Mit Milt Jackson, Ack van Royen und Kenny Wheeler stand er gemeinsam auf der Bühne, mit der bekannten Jazz-Organistin Barbara Dennerlein reiste er lange durch die Konzertsäle der Welt. Nun machte er zum wiederholten Mal mit dem seit 1994 bestehenden Trio seines Bruders Daniel einen Abstecher in die alte Heimat: Der Exil-Schwabe und in Münchner Jazzkreisen gefragte Schlagzeuger Stephan Eppinger.

Mitgebracht hat er Peter Cudek samt seiner "neuen Geliebten", einem 120 Jahre alten Kontrabass und seinen Bruder Daniel am Piano. Gemeinsam spielen die alle drei in München lebenden Musiker akustischen und kammermusikalischen Maintreamjazz, häufig im klassischen Sinne "straight ahead", zuweilen auch subtil, raffiniert.

Alles klingt ungemein vertraut, obwohl sich das Programm ausschließlich aus Eigenkompositionen von Daniel und Stephan Eppinger zusammensetzt. Sanft streicht da der Jazzbesen über die Trommeln, der Bass setzt dunkle Tupfer, die silberhellen Pianoläufe kontrastieren. Das knapp zweistündige Heimspiel wird zusehends zu einer verspäteten blauen Stunde.

Dabei beschränkt sich Peter Cudek meist auf Grundierungsarbeit mit dezent gepflegtem Ton, wandert zuweilen in kontrapunktische Melodien, die sich unauffällig mit den weitschweifigen Ausführungen des Bandleaders am Piano reiben und die Spannung erhöhen.
Bei Stephan Eppinger fasziniert vor allem die Beckenarbeit. Alles scheint da perfekt zu stimmen, und sein Schlagzeug-Spiel wird zu einer sirrenden, streichelnden Melodik. Natürlich beherrscht der Drummer auch die Felle, egal ob mit Stöcken oder den häufig eingesetzten Besen, doch scheinen sie bei ihm hauptsächlich die klangliche Verlängerung der Becken zu sein.

Das Trio verwandelt die Eigenkompositionen, die zum größten Teil aus Daniel Eppingers Feder stammen, in federleicht swingende Balladen und Uptempo-Nummern. So gibt es "Emigrate for Carnival" einen lateinamerikanischen Touch mit, bei "Halb so schlimm" schnippt man unwillkürlich mit den Fingern, und "No Subject" hat diesen leichten, unwiderstehlichen Chic des Hardbop.

Das könnte auf Dauer auch ermüden, aber das Trio ist klug genug, dem reinen Wohlklang auch immer mal wieder etwas anderes zur Seite zu stellen. Es sind Stücke wie "Song for B.B." oder "Drumsong", die im fließenden Bereich zwischen Jazz und Pop andere Akzente setzen. Und in dieser Tradition fühlen sich die drei Münchner ebenso zuhause.

Ungefähr von der Mitte des ersten Sets an stimmt vieles auf der Bühne und zwischen Musikern und Publikum sowieso. Das Konzert, mit allen Jazzattributen, aber auch allen eines romantischen Klaviertrios, erwärmt die Stimmung zusehends - nicht kurz und oberflächlich wie ein heißer Flirt, sondern ruhig und dauerhaft wie eine gewachsene Beziehung.



 vom 20. April 2010
KULTUR

JAZZ - Daniel Eppinger Trio in der Zehntscheuer

Famoses Heimspiel


Daniel Eppinger - Foto: Bohn


Stephan Eppinger - Foto: Bohn

MÜNSINGEN. Ein guter Ruf eilt dem Trio aus Daniel und Stefan Eppinger an Piano und Drums sowie Peter Czudek am Kontrabass voraus. Zahlreiche Abende mit ihrer Mischung unterschiedlicher Jazz-Stile hatten beim Fan-Publikum Wünsche auf Wiederholung geweckt. Entsprechend war der Andrang an der Münsinger Konzertkasse ganz immens - erfreulich für die veranstaltende Gesellschaft der Musikfreunde Münsingen in Zusammenarbeit mit dem Förderverein »Bürgerhaus in der Zehntscheuer«.

Eine Besonderheit krönte den Abend: Die Musiker verzichteten auf Verstärkung durch Elektronik. Musik pur zum Anfassen war angesagt. In der so entstehenden Klangwelt wurde das blinde Verstehen der Musiker untereinander zum tragenden Faktor. Eine stimmige, soundgeladene, mitreißende Band, sicher im Aufbau von Spannung, dazu ein hingerissenes Publikum - das sind die Charakteristika dieses Abends des Daniel Eppinger Trios mit ausschließlich eigenen Kompositionen.

Der locker virtuose Pianist, der grandios wandelbare Kontrabassist und der sensibel anpassungsfähige Schlagzeuger präsentierten ihre Musik mit Begeisterung und Virtuosität. Ihre Stilsicherheit und ihre Improvisationskunst steckten das Publikum sofort an. Kaum einer vermochte ruhig sitzen zu bleiben.
Man kann die Musik von Daniel Eppinger am besten als »lyric Jazz« bezeichnen. Seine Kompositionen sind geprägt von dichten melodischen Linien, die besonders der Bassist zur Geltung bringt, von einem wohlstrukturierten rhythmischen Fundament, für das der Schlagzeuger Stefan Eppinger ein versiertes Händchen beweist, und vor allem durch das Klavier, mit dem der Komponist selbst das Geschehen dominiert.

Einige Kompositionen stammten auch aus der Feder Stefan Eppingers, sie sind weniger lyrisch, eher zupackend temperamentvoll, geprägt von einschneidenden Erlebnissen wie etwa »View Over Rio« oder »Too Soon«, seiner Großmutter gewidmet.

Nach dem letzten Stück, »Tonight« von Stefan Eppinger wollte der Beifall nicht enden. So wagten die Münsinger für die Zugabe den Griff zu für sie ungewöhnlichen Instrumenten. Daniel packte ein Saxofon, Stefan ein Akkordeon aus und Peter begleitete versiert eine genial verjazzte Version der Oberkrainer Volksmusik. Hoffentlich kommt das Ensemble bald wieder. (elk)

http://www.gdm-muensingen.de/konzerte2010/100418_presse.htm
© Hermann Bohn,
Letzte Änderung: 20.04.2010