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Ein
Hauch von Südstaaten-Flair legte sich am Sonntag über die
geschichtsträchtigen Mauern von Schloss Grafeneck. Dort, wo sonst
sinnierende Blicke die Landschaft abtasten, gastierten die "Hardt
Stompers".
SIMON WAGNER
Grafeneck.
Lässig und überaus entspannt-beschwingt ging es am
Sonntagnachmittag auf Schlosshof Grafeneck zu. Im Rahmen ihrer
Konzertreihe lud die Münsinger Gesellschaft der Musikfreunde zu
einem Sommerkonzert unter freiem Himmel. Hierzu gekommen waren nicht
nur über 100 Gäste, sondern die in bester Spiellaune
angereisten "Hardt Stompers".
Die sechsköpfige Dixieland-Combo aus Reutlingen - mit über
30-Jähriger Bühnenerfahrung und reichlich Spielwitz
ausgestattet - versprühte den Glanz und den mitreißenden
Rhythmus längst vergangener Tage und die Atmosphäre der
Stadt, in der der Dixieland-Sound einst das Licht der Welt erblickte:
New Orleans.
Mit rasselnder Snare-Drum, übermütiger Klarinette, brummender
Tuba, auftrumpfender Trompete, elastischer Posaune und flinkem Banjo
legten sie eine Nummer nach der anderen hin. Schnell sprang der Funke
auf das bunt gemischte Publikum über und wippende Köpfe sowie
im Takt klopfenden Füße sollten die ewig junge Kraft des
Dixieland belegen. Ob es Klassiker von Jazz-Größen wie Duke
Ellington oder selten gehörte Arrangements unbekannterer Musiker
waren - stets mischte sich in die breite Palette der gehörten
Stücke ein Schuss laissez-fair, unbekümmerter
Weltläufigkeit und ein gerüttelt Maß an
Südstaaten-Gelassenheit.
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Erheblich
dazu beigetragen hat Walter Scherer, der mal in
süffisanten, mal von Altersklugheit strotzenden Ansagen stets ein
augenzwinkerndes Licht auf die Stücke des Nachmittags legte und
manchen Lacher der Gäste erntete.
Den sechs grau-melierten Herren war so der Boden bereitet für
übermütige und mitreißende Ritte, die oftmals in Soli
der einzelnen Instrumente ihren Höhepunkt fanden und mit
Szenenapplaus quittiert wurden. Dass sich die "Stompers" auf ihrem
musikalischem Mississippi-Dampfer auch in ruhigem Fahrwasser bestens
auskennen, belegten die leisen Stücke des Konzerts. Die sonoren
und tiefgründigen Stimmen von Walter Scherer und Günter
Friedhelm ließen Erinnerungen an Louis Armstrong aufkommen - und
entfalteten bei sensibler Begleitung ihre schmeichelnde Wirkung.
Die Gäste des Konzerts erlebten nicht nur ein quicklebendiges und
immer wieder ansteckendes Erbe der Musikgeschichte, sondern eine nicht
minder ansteckende Band, deren Liebe zur Dixieland-Musik weder
aufgesetzt noch routiniert daherkommt, sondern sich vielmehr aus einer
abgeklärten Euphorie ihrer Protagonisten speist.
So erschöpfte sich der Dank für den vergnüglichen
Nachmittag nicht nur in großem Beifall, sondern auch in Spenden.
Der Erlös des Benefizkonzerts kommt dem Projekt "Brasil" zu Gute.
Seit 1996 engagieren sich unter anderem Udo Schmid und der Pfarrer i.R.
Dieter Hecht aus Buttenhausen für das Dorf Espírito Santo,
etwa 650 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro gelegen. Die
evangelische Schule dort soll mit Solaranlage und einer
Warmwasseraufbereitung ausgestattet werden.
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