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Beim ertsen
Musikfreunde-Konzert nach der Sommerpause spielte das Aramis-Trio in
der Münsingen Zehntscheuer Mozart, Schumann und Chopin.
SIMON WAGNER
Münsingen.
So sehen also moderne Musketiere aus: Anzug, rotes Hemd und schwarze
Lackschuhe. Im fei. nen Zwirn sind sie nicht mit Degen bewaffnet,
sondern greifen zum Bogen oder nehmen hinter dem Piano Platz. Die
Musiker, die sich in Anlehnung an die wehrhafte Romanfigur bei
Alexandre Dumas Aramis- Trio nennen, kämpften am Sonntag in der
Zehntscheuer alleine um den guten Ton - sie sollten siegen.
Das junge Karlsruher Trio mit Martin Emmerich (24, Violine), Heiner
Reich (24, Violoncello) und Fabian Wankmüller (25, Klavier) zeigte
nicht nur durch ihre Garderobe Zusammengehörigkeit, sondern bewies
vor allem im Vortrag viel Homogenität und ein
Spielverständnis, das sie als junges, aber bühnenerfahrenes
Trio auszeichnet.
Versunkene Mienen wechselten sich mit schnellen Blicken ab, um
punktgenaue Einsätze und impulsive Passagen hör- und erlebbar
zu markieren. Mit Spielfreude und Leidenschaft wurde da tief
geschnauft, da erhob man sich erregt aus dem Stuhl, Körper wurden
angespannt und Muskeln wieder schlagartig gelockert. Musizieren -
zumindest bei den Aramis-Mitgliedern - kann durchaus auch eine
körperliche Anstrengung bedeuten. So war Mozarts Klaviertrio Nr. 6
zu Beginn des Abends auch eher als sinnliche „Lockerungsübung" zu
verstehen. Beinahe beschwingt und fröhlich setzten sie das Werk
leichtfüßig und technisch versiert um. Der im Andante
cantabile nur leicht angedeutete Hang zur Dramatik entfaltete sich erst
im zweiten Werk des Abends zur vollen Blüte.
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Bereits
der einleitende, aufwühlende Satz Allegro con fuoco (mit Feuer)
des
Chopin-Klaviertrios op. 8 geriet zu einer Demonstration. Das Klavier
brach sich hier drohend und in fast aggressiver Manier immer wieder
Bahn, um sich ein paar Takte später den melodramatischen Wogen der
Streicher anzuschließen und sie dann wieder zu wohl akzentuierten
Höhenflügen anzuspornen. Es entbrannte ein im Stück
angelegter Kampf um
die instrumentale Vorherrschaft.
Wobei die Musiker aber auch Ausgewogenheit und Balance unter Beweis
stellten. Denn bei aller spielerischen Kraft und Lust verloren sie nie
das Maß und konnten auch in ruhigen Momenten, wie im folgenden
Adagio
sostenuto, durch Sensibilität und Charakter überzeugen.
Vollends Schumanns Klaviertrio Nr. 1: Hier zeigte sich das Können
des
Trios kaleidoskopartig. Die vier Sätze tragen Spielanweisungen wie
"Mit
Energie und Leidenschaft" oder "Langsam, mit inniger Empfindung". Die
drei Musiker nahmen's wörtlich - mit elegisch ausuferndem
Bogenstrich,
hauchzart gespielten Nuancen oder mit voluminös aufbrausenden
Kontrapunkten. So lieferte das Aramis-Trio den eindrucksvollen Beweis
dafür, dass sich jugendliche Leidenschaft einerseits und sensible
Gefühlsregungen andererseits bestens vereinen lassen, ohne dass
das
eine oder andere Klischee zu sehr bemüht werden müsste: Die
Musiker
überzeugten mit virtuoser Durchschlagskraft ebenso wie mit leiser
Innigkeit. Langer Applaus und als Zugabe das wehmütige "Oblivion"
von
Astor Piazzolla.
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