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Die Klarinette. Sie kann
Klezmer, Klassik und Jazz verbinden - auf höchstem Niveau. David
Orlowsky und sein Trio waren in Münsingen zu Gast.
SIMON WAGNER
Münsingen.
Wenn Gefühl kunstvoll zu Musik gerinnt, wenn jenes Gefühl
geradezu zelebriert wird, dann passiert etwas Eigenartiges:
Zuhörer lassen sich fesseln und forttragen. Noch so leise
Zwischentöne, Nuancen und mit Energie geladene Elemente, geraten
zu Teilen eines katharsischen Moments, deren nachhallende Entsprechung
nur die Stille sein kann. . . Rund 160 Gäste in der Zehntscheuer
brauchten einen Moment, um sich wieder zu besinnen - um
zurückzufinden, in die sie umgebende Welt. Zuvor ließen sie
sich entrücken. Von David Orlowsky, von seiner Klarinette und
einem herausragenden Konzert jenes Trios, das 2008 mit dem renommierten
Echo Klassik ausgezeichnet wurde. Der Zusatz "Klassik ohne Grenzen"
dürfte dem in Tübingen geborenen David Orlowsky gefallen, mag
er doch Schubladendenken nicht besonders. Lieber ist ihm das selbst
gewählte Signet "Weltkammermusik".
Den Standards der Kammermusik verbunden, mischen sich Elemente von
Klezmer, Klassik und Jazz. Behutsam gerührt und nicht
geschüttelt, entsteht so ein Kompendium, das in Farbenpracht und
Emotionalität neue Maßstäbe zu setzen vermag und nicht
nur die Fachwelt begeistert.
Orlowskys Sprachrohr ist die Klarinette. Sie scherzt, sie juchzt, sie
lacht und jubiliert - und zeichnet Töne, die sanft und samtig
wirken. Der erst 29-jährige, ehemalige Schüler des
Klarinettenmeisters Giora Feidman stand bereits in jungen Jahren mit
Marcia Haydee und Gidon Kremer auf der Bühne. Derzeit studiert der
Ausnahmemusiker an der Manhattan School of Music in New York bei
Charles Neidich.
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In
Münsingen lässt er mit oft geschlossenen Augen und wogendem
Schritt
lebendige und nahbare Bilder entstehen. Sie gehen durch Mark und Bein,
knüpfen an der Stelle an, wo der Geist vom Gefühl dominiert
wird und
sich die Melancholie als Ratgeber zur Seite holt.
An Orlowskys Seite finden sich kongeniale Gefährten. Sie sind
wahre
Klezmer - im hebräischen Wortsinn schlicht Musiker - und doch weit
mehr
als nur reine Begleitmusiker: Mit pointierten Solos und
leidenschaftlich geführten Duellen entfalteten Jens-Uwe Popp an
der
Gitarre (langjähriges Mitglied im Giora Feidman Trio) und Florian
Dohrmann am Kontrabass (maßgeblicher Komponist des Trios)
ausdifferenzierte und umarmende Szenerien, der sich Orlowskys
Klarinette euphorisch anschloss - in die er sich mal sanft und behutsam
einschlich.
Die Güte des Zusammenspiels lässt sich nur in Superlativen
beschreiben:
Hier haben Könner ihres Fachs zusammengefunden, agieren mit
blindem
Verständnis und einer gehörigen Portion Spaß. Der
Szenenapplaus war da
nur ein vorweggenommener Lohn.
Dreh- und Angelpunkt war der junge Mann auf der Bühne, der in
Turnschuhen, Cargohose und legerer Jacke einen burschikosen, lockeren
Charme verströmte und in unvermittelter Versunkenheit und
Sinnlichkeit
neue Seelenkapitel aufschlug. Orientalisch verführend,
stellenweise
anarchisch rockend, in komplexer Weise höchst virtuos, gelang es
ihm,
die Zuhörer von Beginn an zu bannen und gut gelaunt auf eine Reise
mitzunehmen. Reiseführer ist dabei Orlowskys sprechende,
glucksende und
flüsternde Klarinette mit ihrem warmen, einnehmendem Klang. Was
folgte,
war Stille. Nachklänge im Geiste. Und dann ein nicht enden
wollender
Beifallssturm.
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