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Pressestimmen
David Orlowsky Trio


 vom 12. Oktober 2010



David Orlowsky   Foto: Wagner

Sie scherzt. sie juchzt, sie lacht und jubiliert

Die Klarinette. Sie kann Klezmer, Klassik und Jazz verbinden - auf höchstem Niveau. David Orlowsky und sein Trio waren in Münsingen zu Gast.

SIMON WAGNER
Münsingen. Wenn Gefühl kunstvoll zu Musik gerinnt, wenn jenes Gefühl geradezu zelebriert wird, dann passiert etwas Eigenartiges: Zuhörer lassen sich fesseln und forttragen. Noch so leise Zwischentöne, Nuancen und mit Energie geladene Elemente, geraten zu Teilen eines katharsischen Moments, deren nachhallende Entsprechung nur die Stille sein kann. . . Rund 160 Gäste in der Zehntscheuer brauchten einen Moment, um sich wieder zu besinnen - um zurückzufinden, in die sie umgebende Welt. Zuvor ließen sie sich entrücken. Von David Orlowsky, von seiner Klarinette und einem herausragenden Konzert jenes Trios, das 2008 mit dem renommierten Echo Klassik ausgezeichnet wurde. Der Zusatz "Klassik ohne Grenzen" dürfte dem in Tübingen geborenen David Orlowsky gefallen, mag er doch Schubladendenken nicht besonders. Lieber ist ihm das selbst gewählte Signet "Weltkammermusik".

Den Standards der Kammermusik verbunden, mischen sich Elemente von Klezmer, Klassik und Jazz. Behutsam gerührt und nicht geschüttelt, entsteht so ein Kompendium, das in Farbenpracht und Emotionalität neue Maßstäbe zu setzen vermag und nicht nur die Fachwelt begeistert.

Orlowskys Sprachrohr ist die Klarinette. Sie scherzt, sie juchzt, sie lacht und jubiliert - und zeichnet Töne, die sanft und samtig wirken. Der erst 29-jährige, ehemalige Schüler des Klarinettenmeisters Giora Feidman stand bereits in jungen Jahren mit Marcia Haydee und Gidon Kremer auf der Bühne. Derzeit studiert der Ausnahmemusiker an der Manhattan School of Music in New York bei Charles Neidich.

In Münsingen lässt er mit oft geschlossenen Augen und wogendem Schritt lebendige und nahbare Bilder entstehen. Sie gehen durch Mark und Bein, knüpfen an der Stelle an, wo der Geist vom Gefühl dominiert wird und sich die Melancholie als Ratgeber zur Seite holt.

An Orlowskys Seite finden sich kongeniale Gefährten. Sie sind wahre Klezmer - im hebräischen Wortsinn schlicht Musiker - und doch weit mehr als nur reine Begleitmusiker: Mit pointierten Solos und leidenschaftlich geführten Duellen entfalteten Jens-Uwe Popp an der Gitarre (langjähriges Mitglied im Giora Feidman Trio) und Florian Dohrmann am Kontrabass (maßgeblicher Komponist des Trios) ausdifferenzierte und umarmende Szenerien, der sich Orlowskys Klarinette euphorisch anschloss - in die er sich mal sanft und behutsam einschlich.

Die Güte des Zusammenspiels lässt sich nur in Superlativen beschreiben: Hier haben Könner ihres Fachs zusammengefunden, agieren mit blindem Verständnis und einer gehörigen Portion Spaß. Der Szenenapplaus war da nur ein vorweggenommener Lohn.

Dreh- und Angelpunkt war der junge Mann auf der Bühne, der in Turnschuhen, Cargohose und legerer Jacke einen burschikosen, lockeren Charme verströmte und in unvermittelter Versunkenheit und Sinnlichkeit neue Seelenkapitel aufschlug. Orientalisch verführend, stellenweise anarchisch rockend, in komplexer Weise höchst virtuos, gelang es ihm, die Zuhörer von Beginn an zu bannen und gut gelaunt auf eine Reise mitzunehmen. Reiseführer ist dabei Orlowskys sprechende, glucksende und flüsternde Klarinette mit ihrem warmen, einnehmendem Klang. Was folgte, war Stille. Nachklänge im Geiste. Und dann ein nicht enden wollender Beifallssturm.



 
KULTUR


KONZERT Es liegt keine Besprechung des Orlowsky-Konzerts vor.


http://www.gdm-muensingen.de/konzerte2010/101009_presse.htm
© Hermann Bohn,
Letzte Änderung: 12.10.2010