GESELLSCHAFT
DER MUSIKFREUNDE
MÜNSINGEN E.V.
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vom 16. November 2010
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Gebürtiger Berner mit taiwanesischen Wurzeln: Cellist Wen-Sinn
Yang. Foto: Wagner
Etwas ganz Großartiges
Münsinger Musikfreunde: 500. Konzert
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Respektabel: Die
Münsinger Musikfreunde veranstalteten am Sonntag ihr 500. Konzert
(wir berichteten). Zum Geburtstag kamen hochkarätige Solisten -
Wen-Sinn Yang (Cello) und Daniel Röhm (Klavier).
SIMON WAGNER
Münsingen.
Der lettische Violinist Gidon Kremer soll einmal gesagt haben: "Das
Handwerk ist der Beginn jeder Kunst." Unter dem Eindruck des Konzerts
mit Wen-Sinn Yang und Daniel Röhm in der Zehntscheuer möchte
man hinzufügen: Wahre Kunst zeigt sich darin, dass das Handwerk
zur Nebensache wird.
Was die rund 100 Besucher des 500. Konzerts der Münsinger
Gesellschaft der Musikfreunde erlebten, war solch zelebrierte Kunst: In
einem hochklassigen Vortrag schien der in Bern geborene Cellist
Wen-Sinn Yang sämtliche technische Hürden für null und
nichtig erklären zu wollen - zumindest aber zur Nebensache.
Man könnte ohne Weiteres Adjektive wie virtuos, atemlos,
leichtfüßig oder aber auch sensibel und feinfühlig
bemühen, um seinen Bogenstrich und seine Fingerakrobatik zu
beschreiben. Doch bei aller technischer Versiertheit und
Souveränität des Musikers, war es auch sein gesamtes
Auftreten, das einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Scheinbar
gänzlich befreit von Eitelkeiten und in gleichsam versunkener
Manier - die sich dabei nicht sich selbst genügen wollte - gelang
es ihm, Geisteswelten zu erschließen, sie zu durchschreiten und
in leuchtenden Farben zu kolorieren.
Losgelöst
von handwerklicher Schwerstarbeit schien es bisweilen, als würde
Wen-Sinn Yang den gerade entstandenen Melodien gedankenverloren
nachhängen und sich selbst während seines Spiels
überraschen zu wollen.
Es war der Schritt hinter die Musik, der ihn nicht als bloßen
Rezitator
der anspruchsvollen und mit technischen Klippen gespickten Werke
erscheinen, sondern der ihn vielmehr als eine feinfühlige und
leidenschaftliche Künstlerpersönlichkeit erstrahlen
ließ.
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Gleich zu
Beginn war es Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 2 g-Moll op.
5, die für Aufsehen sorgte. Atemberaubende Klavierläufe
wurden vom
ausdrucksstarken Cello kontrastiert und messerscharfe Akzente mit
Bedacht gesetzt. Beide Protagonisten sprühten dabei vor
Spielverständnis, Spiellust und innerer Bewegtheit - und
ließen ihrer
Musikalität freien Lauf.
Auch in der romantischen Sonate in A-Dur von César Franck,
ursprünglich
verfasst für Violine, zeigte sich die Leichtigkeit, mit der beide
Musiker agierten. Der Bogen Yangs streifte in irrwitziger Schnelligkeit
über die Saiten, dann wieder wurde der Strich bis zum letzten
Millimeter genüsslich ausgekostet. Es entstanden dabei elegante
und
warme Klangfacetten, die von technischer Brillanz und großartiger
Intonation geprägt waren.
Den Abschluss des Programms bildete Giuseppe Martuccis Cellosonate in
fis-Moll op. 52. Damit bewies Yang, Professor für Violoncello an
der
Musikhochschule München, sein Faible, unbekanntere Meister und
ihre
Werke aus der Versenkung zu holen. Sie hätten sich keinen besseren
Fürsprecher erhoffen können.
Auch für Hermann Bohn erwies sich der zufällig als
Jubiläumskonzert
firmierende Auftritt von Wen-Sinn Yang und Daniel Röhm als ein
würdiger
Glücksfall. An Wen-Sinn Yang war es, das 500. Jubiläum der
Konzertreihe
zu würdigen: "Bravo! Sie haben hier etwas ganz
Großartiges!", lautete
sein Kompliment an die Macher. Ohnehin war die Vokabel "Bravo!" eine
viel gehörte: Das beeindruckende Gastspiel der zwei Musiker wurde
mit
stehenden Ovationen und Begeisterungsrufen frenetisch gefeiert - sie
wurden erst nach zwei Zugaben, schweren Herzens, entlassen.
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vom 17. November 2011
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KULTUR |
KONZERT
- Duo Cello
und
Klavier bei der GdM
Sprühende
Musizierfreude
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MÜNSINGEN. »Rein
zufällig«, so kommentiert Hermann Bohn, erster Vorsitzender
der Gesellschaft der Musikfreunde Münsingen, feierte die
Gesellschaft ihr 500. Konzert mit dem Duo Wen-Sinn Yang, Violoncello,
und Daniel Röhm, Klavier. Der »Zufall« wollte es
allerdings, dass dieses Konzert zu einem der großartigsten
Höhepunkte in der Geschichte der Münsinger Kammermusik-
Veranstaltungen geriet.
Die Sonaten für Cello und Klavier Opus 5/2 g-Moll von Beethoven,
in A-Dur von César Franck und die Cellosonate fis-Moll Opus 52
von Giuseppe Martucci standen auf dem Programm. Bevor Wen-Sinn Yang in
die Saiten griff, beschrieb er die Entstehungssituation der jeweiligen
Musikstücke und versetzte somit sein Publikum in die Lage der
Zuhörer der Erstaufführung, etwa in die der höfischen
Zuhörerschaft Wilhelms des Zweiten im Berlin des 18. Jahrhunderts.
Und nun erklang die Beethoven-Sonate, kammermusikalisch komponiert im
Dialog der Instrumente, feurig temperamentvoll virtuos gestaltet in
perfekter Kongenialität der virtuosen Spieler.
Faszinierende Tongebung
Yangs Tongebung hat einen besonderen, individuellen Charakter. Er
beginnt sacht, ohne Vibrato, mit dem Bogen am Griffbrett, fügt
Vibrato hinzu, führt den Bogen zum Steg, intensiviert sein Vibrato
und erreicht eine unerhörte Klangintensität. Sensibel gelingt
Röhm die Korrespondenz; das musikantische Temperament springt
über, nicht nur auf das Publikum, auch auf den feinsinnig
reagierenden Pianisten.
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Noch
nie so intensiv gehört entsteht die Beethovensonate: gelöst
aufspielend in den musikantischen Teilen, rhapsodisch breit,
temperamentgeladen, fein sensibel in den zarten Kantilenen, grazil in
den getupften Begleitfiguren. Im Rondo, dem dritten Satz, vereinen sich
eindrucksvoll all diese Qualitäten.
César Francks einzige Sonate erfuhr durch die Gestaltung des
Duos eine
überbordend leidenschaftliche Prägung. Immense Steigerungen
charakterisierten den dritten Satz genauso eindrucksvoll wie die feine
Zartheit im vierten Satz, »Largamento con fantasia«. Ein
höchst
konzentriertes Publikum war gebannt und verfolgte begeistert die
immensen Steigerungen des Finalsatzes.
Glanzlicht nach der Pause
Doch das Glanzlicht sollte aus Sicht der Künstler nach der Pause
erst
noch folgen: die Cellosonate von Giuseppe Martucci, Zeitgenosse von
Verdi, Rossini und Donizetti. Die Aufführung der Sonate brachte
»Standing Ovations«, beeindruckte die Münsinger mit
Belcanto im
italienischen Stil, mit einem witzig burlesken Scherzo und faszinierte
im rasanten Finalsatz mit der absoluten Kongenialität der
Künstler.
Nach diesem großartigen Erfolg war klar, dass Zugaben gefordert
wurden.
Castelmoro Tedescos musikalisch virtuoser Spaß über ein
Motiv aus einer
Rossini-Oper war vorbereitet. Und nach dem immer noch anhaltenden
Applaus verabschiedeten sich die beiden sympathischen Musiker mit der
allseits bekannten »Meditation« aus der Oper
»Thais« von Jules
Massenet. (elk) |
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vom 17. November 2010
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Daniel
Röhm und Wen-Sinn Yang begeisterten das Publikum in der
Münsinger Zehntscheuer. Foto: Sabine Graser-Kühnle
Impressionistische
Klangfarben
500. Konzert der Musikfreunde: Wen-Sinn Yang und Daniel
Röhm
Wen-Sinn Yang und Daniel Röhm erwiesen
mit exzellentem virtuosen Spiel dem 500. Konzert der Gesellschaft der
Musikfreunde Münsingen ihre Referenz. Cellist und Pianist
eroberten ihr Publikum im Sturm.
SABINE
GRASER-KÜHNLE
Münsingen. Schon bevor er nur
einen Ton auf seinem Violoncello spielte, konnte sich Wen-Sinn Yang der
Sympathie seiner Zuhörer gewiss sein: Humorvoll und dennoch
informativ versprühte er einen unglaublichen Charme mit Anekdoten
zu den dargebotenen Werken. Beethovens Erfolg mit seiner Sonate Nr. 2
g-Moll Opus fünf, als erstes Kammerstück für ein
Violoncello für den damals berühmten Cellisten von König
Wilhelm II geschrieben, stieß beim Zehntscheuerpublikum am
Sonntagabend auf Begeisterung. Gleichermaßen dominant sowie
selbstbewusst in der Ausdrucksgestaltung kamen Cello und Flügel
gleich im Adagio daher, weiche Bassläufe, hier absteigend, dort
aufstrebend, im Allegro, dessen Motive von beiden Instrumenten
echoartig aufgegriffen wurden. Zum Atem anhalten schön in den
Pianissimi-Passagen, den Atem raubend die expressive, reich verzierte
Coda. Mit tänzerischer Leichtigkeit in rasantem Tempo beschloss
das Rondo die Sonate.
Die beiden Solisten bestachen durch homogenes Zusammenspiel,
präzise Anschlags- und Strichkultur. Selbst im Accelerando gingen
die Klangdifferenzierungen nicht auf Kosten der Linienklarheit. Ihre
impressionistische Ausdruckskraft zeugte von der gelebten Musik, was
auch Gesten verinnerlichter Ergriffenheit spiegelten.
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Der
Franzose César Franck schenkte einem belgischen Geiger seine
Violinonate A-Dur zur Hochzeit. Als Meisterwerk der französischen
Musikliteratur bezeichnete diese Yang einführend, und als solches
entpuppte es sich bei der Aufführung, diesmal in der Cellofassung.
Das
dynamische, weit ausholende Spiel der beiden Musiker brachte die
schwebende Tonalitäten mit bis zu impressionistischen Klangfarben
zum
Leuchten. Daniel Röhms vitale, klare Anschlagskultur ging unter
die
Haut, Yang's samtiger Bogenstrich auf dem, als „romantisches
Instrument“ betitelten Cello, ließ die Haare wohlig
kräuseln. Berauschend in seiner bittersüßen
Gedehntheit das Largamento, wo sich
die Musiker die Bälle perfekt zuspielten.
Die Nähe des Violoncellos zur Gesangstimme kam dem italienischen
Komponisten Giuseppe Martucci in der Cellosonate fis-Moll, Opus 52
gerade recht, dominierte doch die Oper in Italien um die
Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Fast wie gesungen, formte Yang
die lyrischen Melodiebögen genussvoll mit edler Tongebung,
duftig
legten sich die Legati über die Zuhörer,
leidenschaftlich Röhms
Stakkati und die Spiccati des Cellisten. Verspielt, fast neckisch, kam
das Scherzo mit seinen polyphonen Einsätzen daher, dargeboten mit
einer
unglaublichen Laune.
Das wahrhaft begeisterte Publikum erklatschte sich zwei Zugaben und
auch das Duo Röhm/Yang bedankte sich: „Für uns war es auch
eine Ehre,
das 500. Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde Münsingen
aufgeführt zu haben.“ |
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