Bürgerhaus "Zehntscheuer" Münsingen

Zehntscheuer und Fruchtkasten

Die beiden Gebäude am Rand der mittelalterlichen Stadt sind Fachwerkgebäude des 17.-19. Jahrhunderts. Ihre Geschichte reicht jedoch sehr viel weiter zurück. Die östlichen Mauern beider Häuser bestehen aus der mittelalterlichen, vermutlich im frühen 14. Jahrhundert errichteten Stadtmauer. Damals war mit der Stadterhebung Münsingens durch die Grafen von Württemberg die Voraussetzung für eine Befestigung geschaffen worden. Im Mittelalter entstand zunächst die 1454 erstmals erwähnte Zehntscheuer (Gebäude Zehntscheuerweg 11). Der um 1580 als nördliches Nachbarhaus errichtete Stiftspflegefruchtkasten (Salzgasse 19) diente ebenso wie die Zehntscheuer der Lagerung von Getreideabgaben der Bauern in Stadt und Amt. Der Unterschied: die Stiftspflege fasste nach der Reformation Vermögen und Einkünfte der Martinskirche zusammen. Der Getreidezehnt (= zehnter Teil der Ernte) hingegen war ursprünglich zwar ebenfalls eine Abgabe an die Ortskirchen, in Münsingen jedoch gehörte er am Ende des Mittelalters dem weltlichen Stadtherrn.

Zerstörung beider Gebäude im Stadtbrand 1671, anschließend Wiederaufbau. 2002 Sanierung und Schaffung des ‚Bürgerhauses Zehntscheuer‘ mit Räumen für die Stadtbücherei, Kunstausstellungen, Theater und Veranstaltungen. Die ‚Ausstellung Max Kommerell‘ im 1. Stock informiert über den 1902 in Münsingen geborenen Dichter und Literaturwissenschaftler.

Weiterführende Informationen, z.B. über Räume, Instrumente oder die Einweihungsfeier finden Sie in unserem Alt-Archiv.